Sachverständigenkosten bei Kfz-Haftpflichtfällen

Neuerdings wird bei der Schadenregulierung von Kfz-Haftpflichtfällen regelmäßig auch am Honorar der Kfz-Sachverständigen herumgemäckelt. So wird die Höhe der Grundvergütung oftmals in Abrede gestellt als auch die vom Kfz-Sachverständigen abgerechneten Nebenkosten wie Schreibaufwandpauschale, Kosten für die Fertigung von Lichtbildern etc..

Alles Quatsch, wie nunmehr auch das Landgericht Aachen nochmals in einem neueren Urteil vom 09.07.2015 ausgeführt hat.

Denn „unabhängig davon, ob die für die Gutachtentätigkeit abgerechneten Gebühren ortsüblich und angemessen waren, sind diese Kosten der Klägerin jedenfalls entstanden. Ein Verstoß der Klägerin gegen die ihr obliegende Schadenminderungspflicht ist weder substantiiert dargetan noch sonst ersichtlich.

Wenn der Geschädigte die Höhe der für die Schadensbeseitigung aufzuwendenden Kosten beeinflussen kann, so ist er nach dem Begriff des Schadens und dem Zweck des Schadensersatzes wie auch nach dem letztlich auf § 242 BGB zurückgehenden Rechtsgedanken des § 254 Abs. 2 S. 1 BGB unter dem Gesichtspunkt der Schadenminderungspflicht gehalten, im Rahmen des ihm Zumutbaren, den wirtschaftlicheren Weg der Schadensbehebung zu wählen (BGHZ 115,364,368F). Das Gebot zu wirtschaftlich vernünftiger Schadensbehebung verlangt jedoch vom Geschädigten nicht, zu Gunsten des Schädigers zu sparen oder sich in jedem Fall so zu verhalten, als ob er den Schaden selbst zu tragen hätte (BGHZ 115,364,369; BGHZ 154,395,398).

Deshalb ist bei der Prüfung, ob der Geschädigte den Aufwand zur Schadensbeseitigung in vernünftigen Grenzen gehalten hat, eine subjektbezogene Schadensbetrachtung anzustellen, das heißt Rücksicht auf die spezielle Situation des Geschädigten, insbesondere auf seine individuellen Erkenntnis-und Einflussmöglichkeiten, sowie auf die möglicherweise gerade für ihn bestehenden Schwierigkeiten zu nehmen (BGH a.a.O.). Auch bei der Beauftragung eines Kfz-Sachverständigen darf sich der Geschädigte damit begnügen, den ihm in seiner Lage ohne weiteres erreichbaren Sachverständigen zu beauftragen. Er muss nicht zuvor eine Marktforschung nach dem honorargünstigsten Sachverständigen betreiben. Nur wenn der Geschädigte erkennen kann, dass der von ihm ausgewählte Sachverständige Honorarsätze für seine Tätigkeit verlangt, die die in der Branche üblichen Preise deutlich übersteigen, gebietet das schadensrechtliche Wirtschaftlichkeitsgebot, einen zur Verfügung stehenden günstigeren Sachverständigen zu beauftragen. Dass die Klägerin von vornherein hätte erkennen können, dass der Sachverständige nach der Behauptung der Beklagten ein überhöhtes Grundhonorar sowie zu hohe Nebenkosten ansetzen würde, wird seitens der Beklagten nicht dargelegt. Insoweit obliegen die Darlegung sowie der Nachweis eines Verstoßes der Klägerin gegen die Schadenminderungspflicht jedoch den Beklagten (vgl. BGH Urteil vom 11.02.2014 – VI ZR 225/13 – RN 9, Juris).“

Somit hält das Landgericht deutlich fest, dass eben die vom Sachverständigen in Rechnung gestellten Gebühren in aller Regel, auch was die Nebenkosten betrifft, angemessen und ortsüblich sind, es sei denn, es gibt Anhaltspunkte für das Gegenteil.